Praxisbeispiel Teilzeit-Berufsausbildung

Ausbildung in Teilzeit: Eine junge Mutter macht KarriereLTS_Frau_Mehmeti

Jung und motiviert. Eine Auszubildende, wie sie sich jeder Arbeitgeber wünscht. Das Besondere: Zuhause wartet täglich die dreijährige Tochter auf die Angestellte. Ilirjana Mehmeti ist Mutter, Ehefrau und Auszubildende. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, diesen drei Herausforderungen gleichermaßen gerecht zu werden. Im Sommer letzten Jahres wandte sich die junge Frau an die Diplom- Sozialpädagogin Kerstin Jansen von der Netzwerk Lippe gGmbH in Detmold. Ein Glück für sie, denn die Pädagogin unterstützt junge Mütter und Väter beim Einstieg in die berufliche Erstausbildung in Teilzeit. Das Förderprogramm „TEP“, Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven schaffen, wurde 2009 vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen. Das Programm wird in OWL von der Regionalagentur koordiniert und auf Ebene der Kreise und der kreisfreien Stadt Bielefeld durch erfahrene Bildungsträger umgesetzt – im Kreis Lippe ist es die Netzwerk Lippe gGmbH. Hier wurde Ilirjana Mehmeti, so wie alle anderen Teilnehmer auch, vier Monate vor Ausbildungsbeginn und acht Monate danach unterstützt. Bewerbungen schreiben, Kontakt zu potenziellen Ausbildungsbetrieben aufbauen, Vorstellungsgespräche üben, alles das lernte die 25 Jährige in der viermonatigen Qualifizierungsphase.

Die überörtliche Sozietät LTS Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater in Herford suchte im letzen Jahr eine Auszubildende zur Rechtsanwaltsfachangestellten. Perfekt, dachte sich die Pädagogin und kontaktierte Ilirjana Mehmeti sofort. Eine professionelle Bewerbung erstellte die junge Mutter, berichtet Kerstin Jansen. Als Ilirjana Mehmeti schließlich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, war sie hin und weg. „Ich war so aufgeregt, ich wusste gar nicht warum die Sozietät ausgerechnet mich ausgesucht hatte“, lacht sie heute. Die 25 Jährige wirkt  sehr selbstbewusst, höflich und aufgeschlossen. Kommunikation gehört auf zu ihren Stärken. „Es war so schön da, die wollen mich bestimmt nicht“, erzählte Ilirjana Mehmeti der Sozialpädagogin, als das Vorstellungsgespräch beendet war. Die Einschätzung war offensichtlich falsch. Die Sozietät LTS war von ihr überzeugt und heute absolviert die junge Mutter mit viel Freude die Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten.

Eine Berufsausbildung in Teilzeit. Unternehmen begegnen dem Wort „Teilzeit“ immer mit einer gewissen Skepsis. Nicht aber die Sozietät LTS. Ilirjana Mehmeti hat mit ihren Qualifikationen und ihrer Persönlichkeit überzeugt, berichtet Michael Krüger, Office Manager von LTS. Strukturierte Abläufe der Sozietät machen es möglich, dass die Auszubildende die Arbeit früher verlassen kann, um ihre Tochter aus dem Kindergarten abzuholen. „Es hätte mir wirklich nichts Besseres passieren können, wirklich nicht", strahlt die junge Auszubildende. Die Kollegen unterstützen die junge Mutter wo sie können. Anfangs dachte Ilirjana Mehmeti, sie würde keinen Anschluss finden, weil sie in vielen Bereichen eine „Extrawurst“ bekommt. Das ist aber keineswegs der Fall. Sie wurde mit viel Herz in die Kanzlei integriert.

„Ich will meiner Tochter ein Vorbild sein. Sie soll sehen, dass man arbeiten gehen muss und nicht den ganzen Tag zuhause bleiben kann“, erzählt die 25 Jährige und schmunzelt. Der Vater ihres Kindes unterstützt seine Frau tatkräftig. Bemerkenswert ist auch, dass die junge Mutter zu den besten ihrer Berufsschulklasse gehört, obwohl es ihr erst ab acht Uhr abends möglich ist, für die Schule zu lernen. Ihr macht die Arbeit sichtlich Spaß, sie ist motiviert und versucht, ihr Ziel zu erreichen. Für junge Mütter ist es nicht leicht, einen Ausbildungsplatz zu finden und gleichzeitig ihren Pflichten als Mutter gerecht zu werden. Kerstin Jansen ist diese Tatsache bewusst. Mit viel Herz und Engagement hilft sie jungen Müttern, den richtigen Weg ins Berufsleben zu finden. Bei Ilirjana Mehmeti ist ihr das sehr gut geglückt.

Laura Stenger und Lina-Kristin Piechottka

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