Zu Gast bei: Ev. Johanneswerk gGmbH

Am 20. Juni 2018 folgten etwa 35 Personalverantwortliche aus kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region und andere Interessierte der Einladung des Kompetenzzentrums Frau und Beruf OWL, der WEGE Bielefeld mbH und der Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld und waren „Zu Gast bei“ der Ev. Johanneswerk gGmbH. Die Gastgeberin, Dr. Susanne Schweidtmann, Leiterin Stabsabteilung Personalmanagement referierte zum Thema „Karrierefrauen SIND Teil des guten Werks – alternative Wege der Personalentwicklung in der Unternehmensgruppe“.

Nach einem Grußwort stellte Dr. Ingo Habenicht, Vorsitzender der Geschäftsführung, die Unternehmensgruppe Ev. Johanneswerk gGmbH kurz vor, deren Arbeitsfelder in der Alten- und Behindertenhilfe sowie Kliniken liegen. Derzeit zählt die Unternehmensgruppe ca. 6840 Beschäftigte.

Gut 80% aller Beschäftigten in der Unternehmensgruppe sind weiblich, allerdings findet sich dieser hohe Frauenanteil in den Führungspositionen bis hin zur Unternehmensspitze nicht vollständig wieder. Insgesamt haben zwar ca. 69 % der weiblichen Beschäftigten eine Führungsfunktion, allerdings auch mit deutlichem Schwerpunkt auf den beiden niedrigeren Führungsebenen (Ebene 3 und 4); auf der dritthöchsten Führungsebene sind lediglich noch 39 % und im obersten Führungskreis gar keine Frauen mehr vertreten. Dr. Habenicht betonte, dass es ein erklärtes Unternehmensziel sei, an dieser Situation etwas zu ändern.

Dr. Susanne Schweidtmann, Leiterin Stabsabteilung Personalmanagement, Leiterin Bildung im Johanneswerk und Dienststellenleitung Zentrale Bereiche, setzt zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungsfunktionen auf eine Mischung unterschiedlicher Strategien in der Personalentwicklung. Zum einen gibt es verschiedene Programme und Personalentwicklungsmaßnahmen, welche die Aufstiegsinteressierten durchlaufen können, wie etwa Traineeprogramme in den unterschiedlichen Fachbereichen und Abteilungen, um eine höhere Qualifikations- und Führungsstufe erreichen zu können, auch wenn die Absolvierung keine Garantie ist, dass sofort eine Führungsaufgabe übernommen werden kann. Die Traineeprogramme sind jedoch nicht ausschließlich den Mitarbeiterinnen, sondern gleichermaßen auch den Mitarbeitern offen.

Gerade für die weiblichen Beschäftigten findet eine gezielte Förderung statt, indem die Haltung entwickelt wird, d.h. das Aufstiegsinteresse gefördert und unterstützt wird. Die Entwicklungsprozesse sind insgesamt sehr individualisiert, weil die Stärken klar im Vordergrund stehen. So wird im Rahmen der individuellen Karriereplanung beispielsweise zusätzlich zum Mentoring. (ggf. externen) Hospitationen auch die Teilnahme an den o.g. Traineeprogrammen oder auch berufsbegleitenden Studiengängen gefördert.

Besondere Angebote wie etwa die individuelle Vereinbarung von Teilzeitarbeit zielen speziell für Beschäftigte mit Familienverantwortung auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Darüber hinaus beteiligt sich das Unternehmen regelmäßig am Audit „Beruf und Familie“ bzw. an Auszeichnungsverfahren zum Thema Familienfreundlichkeit. Die diesbezüglichen Angebote werden daher ständig weiterentwickelt.

Mentoring ist aus Sicht von Dr. Schweidtmann ein sehr wichtiger Baustein für die Karriereentwicklung. Sie ist selbst schon mehrfach Mentorin gewesen, auch im Cross-Mentoring (d.h. für Frauen aus anderen Unternehmen) und ermutigt andere weibliche Führungskräfte, eine solche Rolle zu übernehmen. Teilweise erfolgt ein solches Mentoring für Nachwuchsführungskräfte beim Johanneswerk im Rahmen der Traineeprogramme, indem die Trainees dort sehr engen Kontakt zu übergeordneten Führungskräften haben. Teilweise verläuft es aber auch eher informell als längerfristige Verbindung nach der Einarbeitung in einen neuen Funktionsbereich mit Führungsverantwortung.

Auch die langfristige Vernetzung – innerhalb wie außerhalb des eigenen Unternehmens – sieht Dr. Schweidtmann als gute Möglichkeit des Karriereaufbaus sowohl für jede aufstiegsorientierte Frau, als auch aus Sicht einer Arbeitgeberin. Als Beispiel nannte sie das Netzwerk „Managerinnen OWL“. Vor diesem Hintergrund ist sie persönlich sowie als Vertreterin der Unternehmensgruppe ebenfalls an verschiedenen Netzwerken beteiligt.

Zwei Mitarbeiterinnen haben sehr individuell und persönlich beispielhaft veranschaulicht, wie weibliche Nachwuchstalente bei der Ev. Johanneswerk gGmbH unterstützt werden bzw. welche Karrierewege Frauen im Unternehmen schon gegangen sind.

Malika Ferchichi hatte schon im Rahmen eines studienbegleitenden Praktikums erste Erfahrung im Hause gemacht. Nach dem Studienabschluss (B.A. Soziale Arbeit, M.A. Health Administration) trat sie unmittelbar ihre erste Stelle in einer Altenpflegeeinrichtung des Johanneswerks an. Hier wurde ihr Potential schnell erkannt, weshalb ihr nach ca. fünf Jahren die Teilnahme an einem Traineeprogramm für Hausleitungen angeboten wurde. Kurz nach Abschluss des Programms hatte sie auch schon die Möglichkeit, eine solche Hausleitung zu übernehmen. Für sie war es sehr wichtig, dass sie bei der Kommunikation und im Umgang mit allen Beschäftigten, v.a. mit denen mit viel Berufserfahrung, sehr sensibel vorging. „Schließlich möchte sich ein/e Beschäftigt/e nach 30 Jahren oder mehr im Beruf nicht ohne weiteres von einer „Berufsanfängerin“ erklären lassen, wie sie/ er die Arbeit zu erledigen hat.“

Ganz anders als dieser eher „hausinterne“ Karriereweg gestaltete sich der berufliche Werdegang von Anja Zimmermann. Mit einem Magisterabschluss in romanischen Sprachen und Europapolitik sowie Berufserfahrung in der politischen- und Öffentlichkeitsarbeit mit einem hochranging Politiker und Funktionsträger in Hamburg kam sie als Quereinsteigerin ins Haus. Im Ev. Johanneswerk gGmbH begann sie als Referentin des Vorstands, so die Bezeichnung des damaligen Führungsgremiums als es noch ein eingetragener Verein war. Hier lernte sie sowohl die Arbeitsbereiche aller Abteilungen kennen und auch die Führungstätigkeit der Vorstände bzw. Geschäftsführer. Auch ihr Führungspotential wurde schnell erkannt. Trotz Familienverantwortung absolvierte sie berufsbegleitend ein Zusatzstudium im Sozialmanagement in Wien, wofür sie von ihrer Berufstätigkeit teilweise freigestellt wurde. Später nahm sie an einem Traineeprogramm teil, um sich für eine Geschäftsbereichsleitung weiter zu qualifizieren. Aktuell ist sie Geschäftsleiterin der Region Herford. Insoweit stellt Frau Zimmermann ein gutes Beispiel dar, wie auch für QuereinsteigerInnen Maßnahmen der Personalentwicklung die berufliche Entwicklung und den Aufstieg begleitet haben.

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einem Rundgang über das Gelände mit Erläuterungen zu den verschiedenen Einrichtungen und einem kleinen Imbiss unter schattenspendenden Bäumen im Garten.

Die Veranstaltung fand statt im Rahmen des gemeinsamen Projekts „Mehr Frauen in Führung - so geht´s“ von Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL, WEGE Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld mbH und Gleichstellungsstelle Stadt Bielefeld.

Karrierefrauen im Johanneswerk WEGe zu Gast 2018b me b

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildrechte: Lena Knickmeier, Ev. Johanneswerk gGmbH

 

 

Kontakt Kompetenzzentrum Frau und Beruf

OWL Kompetenzzentrum Frau und BerufOstWestfalenLippe GmbH | Kompetenzzentrum Frau und Beruf OstWestfalenLippe

Turnerstraße 5 - 9 | 33602 Bielefeld | Tel.: 0521 96733-291 | Fax: 0521 96733-19 | E-Mail

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