Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Gesundheits- und Pflegebranche: Möglichkeiten, Angebote, Wirkung und Nutzen in der Diakoniestation Bünde 1

Wenn sich weibliche Fachkräfte heute für ein Unternehmen entscheiden, ist Familienfreundlichkeit ein zentrales Kriterium. Familienfreundlichkeit fördert sowohl die gezielte Rekrutierung benötigter Fachkräfte als auch die Bindung qualifizierter Mitarbeiterinnen an das Unternehmen. Doch nicht nur die Mitarbeiterinnen profitieren von Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf & Familie, sondern auch die Einrichtungen der Gesundheits- und Pflegebranche selbst: eine win-win-Situation.

Der Einladung des Kompetenzzentrums Frau und Beruf OWL, der Gleichstellungsstelle und der Wirtschaftsförderung im Kreis Herford folgten Anfang Juli 22 Personalverantwortliche, Führungskräfte, Einrichtungs- und Pflegedienstleitungen und Vertretungen verschiedener Institutionen und informierten sich im großen Besprechungsraum der Diakoniestation Bünde 1 über Möglichkeiten und Angebote sowie deren Wirkung und Nutzen.

Michael Schoenfeld als Geschäftsführer der Diakoniestationen im Kirchenkreis Herford gGmbH begrüßte die Teilnehmenden und stellte den ambulanten Pflegedienst mit seinen 9 Stationen und insgesamt etwa 260 Mitarbeitenden vor. Da diese zum überwiegenden Teil weiblich sind, hat auch das Vereinbarkeitsthema eine fast tägliche Präsenz – nicht nur, wenn es um Kinderbetreuung, sondern auch um die Pflege von Angehörigen geht.

Im anschließenden Impulsvortrag knüpfte Unternehmensberater Andreas Heiber hier an und machte klar: die demographische Herausforderung im sicheren Wachstumsmarkt „Pflege“ hat längst begonnen. Bei den fast 90 % weiblichen Fachkräften gehören die über 50jährigen mit etwa 40 % Anteil zur zweitgrößten Gruppe – mit steigender Tendenz.

Auf die Frage, wo einerseits noch eigene Potentiale auszuschöpfen sind, aber andererseits auch das Arbeitspensum verträglich leistbar ist, lieferte er verschiedene Ansätze. Die Beschäftigten sind häufig in Teilzeit tätig (über 70 %) oder müssen gerade im ambulanten Bereich Teildienste in Kauf nehmen. Und genau hier setzen die Ideen und Vorschläge von Andreas Heiber an. Er skizzierte mit Beispielen, welche Chancen das 2017 in Kraft getretene Pflegestärkungsgesetz II bietet. Er nannte unter anderem die Kombination von Versorgungs- und Betreuungsleistungen, die eine Tätigkeit im größeren Stundenumfang „am Stück“ möglich macht, gleichzeitig aber auch durch weniger Arbeitsintensität der sprichwörtlichen „Rennpflege“ entgegenwirkt. Teildienste könnten ebenfalls vermieden werden, wenn zu Pflegende auch durch lange Spätdienste beispielsweise nach 20 Uhr versorgt würden.

Als ergänzende Möglichkeiten im Sinne der Vereinbarkeit nannte er strukturierte Angebote wie blockweises Arbeiten bei z. B. hauswirtschaftlichen Leistungen zur Reduzierung von Wegezeiten oder Pflegeannahme nach fixen Tourenplänen.

Die Frage zur Kinderbetreuung beantwortete Andreas Heiber zunächst mit den klassischen Kooperationen mit Kindertageseinrichtungen. Mit eher ungewöhnlichen Ideen und Vorschlägen brachte er alle Teilnehmenden zum Nachdenken und einer kritischen Auseinandersetzung mit der Thematik. Beispielsweise das Angebot einer Frühstücksgruppe, deren Kinder später per Bringdienst zur Schule oder Kita gefahren werden oder den Einsatz einer Tagesmutter im Pflegedienst.

Auf die spezielle Situation pflegender Angehöriger im Pflegebereich ging Heiber ebenfalls ein. Pflegefachkräfte stehen im besonderen Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie, können sich kaum „rausreden“  und den Betroffenen fehlt häufig selbst der professionelle Abstand. Aus dem Grund schlägt er vor, die Angebote analog zur Kinderbetreuung aufzubauen und alle Möglichkeiten des Leistungsrechts zu nutzen.

Im Zusammenhang mit der Arbeitsorganisation zeigte Heiber die Chancen der Digitalisierung auf und stellte unter anderem das Poolen der Rufbereitschaftsdienste mit anderen Pflegeeinrichtungen zur Reduzierung der Dienste vor.

Abschließend thematisierte Heiber die oft ungerecht empfundenen „Müttertouren“. Er machte deutlich, dass die Alternative dazu mehr Arbeit für alle anderen bedeutet und es sich in den meisten Fällen um eine Phase und keine Dauerlösung handelt.

Zum Ende seines Vortrags appellierte Unternehmensberater Andreas Heiber an die Personalverantwortlichen und Führungskräfte der Pflegebranche, die positiven Auswirkungen auf das Arbeitgeber-Branding mit zu bedenken. Gelebte Praxis spricht sich herum und sorgt für mehr und bessere Bewerbungen. Eine langfristige Kosteneinsparung wird durch das Reduzieren von Fehlzeiten ermöglicht – und das Halten von guten Mitarbeitenden ist günstiger als neue zu gewinnen und einzuarbeiten.

„Wir freuen uns, dass wir mit dieser Veranstaltung einen aktiven Beitrag zur aktuellen Debatte über den Fachkräftemangel in der Pflege leisten konnten.“, zeigte sich Meike Stühmeyer-Freese vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL sehr zufrieden und bedankte sich bei Britta Mensenkamp, Assistentin der Geschäftsführung, für die organisatorische Unterstützung und Beteiligung an der erfolgreich verlaufenen Veranstaltung.

Im Anschluss nutzten die Personalverantwortlichen und Führungskräfte den gemeinsamen Nachmittagsimbiss zum konstruktiven Austausch.

VA 05072018 PhilippQuest

 

 

 

 

 

 

 

 

 

v.l: Andreas Heiber (Unternehmensberatung System & Praxis, Bielefeld)  |  Michael Schoenfeld (Geschäftsführer Diakoniestationen im Kirchenkreis Herford gGmbH)
Meike Stühmeyer-Freese (Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL)  |  Britta Mensenkamp (Assistenz der Geschäftsführung der Diakoniestationen im Kirchenkreis Herford gGmbH)
Bildrechte: Philipp Quest

Kontakt Kompetenzzentrum Frau und Beruf

OWL Kompetenzzentrum Frau und BerufOstWestfalenLippe GmbH | Kompetenzzentrum Frau und Beruf OstWestfalenLippe

Turnerstraße 5 - 9 | 33602 Bielefeld | Tel.: 0521 96733-291 | Fax: 0521 96733-19 | E-Mail

 kfb competentia
 
AK MWHKBG 50
 kfb_efre
                             
                             
 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok