Die Elternzeit im Unternehmen aktiv gestalten bei Fa. JOWAT SE

Wie können kleine und mittelständische Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor und während der Elternzeit unterstützen? Wie kann sich ein Unternehmen aufstellen, damit sich die Beschäftigten gut aufgehoben fühlen und geschätzt werden? Benötigt ein Unternehmen überhaupt ein strategisches Wiedereinstiegsmanagement?

Diese Fragen wurden mit den ca. 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei der Veranstaltung „Die Elternzeit im Unternehmen aktiv gestalten“ am 14. Juni 2018 in dem Unternehmen JOWAT SE intensiv diskutiert. Die Vereinbarung von Beruf und Familie nimmt einen sehr großen Stellenwert in der Personalpolitik vieler Unternehmen ein. Nicht nur die Mitarbeiterinnen, sondern auch immer mehr Mitarbeiter nehmen die Elternzeit in Anspruch. Damit die berufliche Karriere nicht zu kurz kommt, kann ein strategisches Wiedereinstiegsmanagement von Vorteil sein.

Nach einem einleitenden Grußwort von Herrn Nitschke, Vorstandsmitglied von JOWAT SE, begann Frau Benz, Teamleitung Technical Support & Service bei JOWAT SE, mit ihrem Vortrag. Sie skizzierte kurz ihre berufliche Laufbahn und stellte ihre Erfahrungen als weibliche Führungskraft mit dem Thema dar. Ihrer Einschätzung nach können viele gesetzliche Regelungen zu mehr Distanz zu den Führungskräften und den Beschäftigten führen, da die gesetzlichen Regelungen oftmals abschreckend wirken können.
Nach ihrer Erfahrung ist es hilfreich, offen über die Angelegenheiten zu kommunizieren. Der Rückgriff auf neue Arbeitszeitmodelle und die neuen Medien ermöglicht es, auf die individuellen Bedürfnisse aller Beteiligten eingehen zu können.

Wie sich ein Unternehmen aufstellen kann und welche Beratungsangebote es gibt, zeigte Frau Stövesand in ihrem Vortrag auf. Frau Stövesand leitet die Initiative FABEL (Familienbetreuung Lippe), eine Initiative von lippischen Unternehmen und dem Kreis Lippe, die im Jahr 2009 gegründet wurde. Ziel dieser Initiative ist zum einen die Stärkung der familienfreundlichen Region und zum anderen die Erhöhung der Standortattraktivität der Unternehmen. FABEL beschäftigt sich mit allen Themen rund um die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege. Einige Angebote sind eher auf die Unternehmen ausgerichtet, andere mehr auf die Beschäftigten zugeschnitten. Zu den Angeboten für die Unternehmen zählen neben Informationsmaterial und Netzwerktreffen u.a. Anregungen bei der Weiterentwicklung und Umsetzung von familienfreundlichen Strukturen, Sensibilisierung von Führungskräften, Zusammenarbeit mit dem Personalservice/-Entwicklung.

Für die Beschäftigten wird beispielsweise folgendes angeboten: Individuelle und qualifizierte Beratung zu Themen „rund um die Familie“, Organisation einer kurzfristigen Betreuung von Kindern und Angehörigen, die passgenaue Vermittlung von Leistungen und die Kontaktaufnahme zu Institutionen. Frau Stövesand erläuterte und gab Beispiele dafür, wie sich ein Unternehmen aufstellen kann, damit ein strategisches Wiedereinstiegsmanagement funktioniert und eine offene Unternehmenskultur entstehen kann. Letztere kann beispielsweise durch Familienfreundlichkeit positiv geprägt werden, d.h. dass die Eltern nicht als Belastung, sondern als Chance und Fachkräfte angesehen werden, deren Kompetenzen durch Weiterbildung (ggf. auch während der Familienzeit) gefördert werden kann.

Frau Watermann, Geschäftsführerin des Unternehmens Watermann Polyworks GmbH, berichtete vom Umgang mit der Vereinbarung von Beruf und Familie im eigenen Unternehmen. Obwohl die Beschäftigten und deren familiäre Situation dort einen sehr hohen Stellenwert haben, wird bei der Watermann Polyworks GmbH bewusst auf ein strategisches Wiedereinstiegsmanagement im Sinne von festen Strukturen und Maßnahmen verzichtet. Die Familienplanung der Beschäftigten wird als selbstverständlich betrachtet und die Fehlzeiten, die durch die Elternzeit entstehen, können im Unternehmen kompensiert werden. Das Unternehmen macht durchweg positive Erfahrungen mit dieser Vorgehensweise. Die Beschäftigten kommen aus der familiären Auszeit reifer, verantwortungsvoller und motivierter zurück in ihre vorherige Beschäftigung. Außerdem kann Watermann Polyworks so die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an das Unternehmen binden.

Abschließend folgte der Vortrag von Herrn Günther, Leiter der internen Revision bei JOWAT SE. Herr Günther appellierte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass die persönliche Situation mit dem Beruf in Einklang gebracht werden sollte. Er wünscht sich flexiblere gesetzliche Lösungen für das Elterngeld und die Elternzeit, damit auch eine Anpassung an den Beruf gelingen kann. Des Weiteren sollten die Angebote der Kinderbetreuung verbessert werden.
Letztlich sieht Herr Günther auf Seiten der Unternehmen die Möglichkeit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Beschäftigten deutlich mehr zu unterstützen. So fordert er von den Unternehmen mehr Vertrauen gegenüber den Beschäftigten und wünscht sich Änderungen der Präsenz- und Beförderungskultur im Unternehmen sowie ein modernes Arbeitsumfeld.

Einige Schlussfolgerungen und Erkenntnisse dieser Veranstaltung sind, dass  mit FABEL ein lokaler Dienstleister für die Unternehmen zur Verfügung steht, der mit Rat und Tat die Unternehmen und deren Beschäftigen unterstützt.
Ein Unternehmen benötigt nicht unbedingt ein strategisches Wiedereinstiegsmanagement. Je nach Unternehmensgröße kann ganz individuell entschieden werden, wie mit Elternzeit und dem Wiedereinstieg umgegangen wird. Die Unternehmen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren durch eine offene Unternehmenskultur und durch frühzeitige Gespräche.

Außerdem kann auch ein Unternehmen viel für die Beschäftigten machen, indem die Präsenzzeiten und das Weiterbildungs- und Beförderungsangebot modernisiert werden. Wichtig ist jedoch das Vertrauen zwischen Unternehmen und Beschäftigten, damit eine offene und ehrliche Zusammenarbeit entstehen kann.

VA 14062018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

v.l.: Deborah Watermann, Ina Benz, Tabea Mälzer, Sandra Stövesand, Nils Günther
Bildrechte: Tabea Mälzer

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