Mädchen für MINT-Fächer begeistern

Frühzeitige Erfahrungen, auch außerhalb der Schule, beeinflussen die spätere Berufswahl. Fehlen positive Erfahrungen in den MINT-Fächern (Mathematik, Information, Naturwissenschaften, Technik), wählen Mädchen eher soziale oder kaufmännische Berufe. InnoZent OWL, erfolgreiches Netzwerk auf dem Gebiet von Technologietransfer, erprobte zusammen mit RTB aus Bad Lippspringe ein neues Modell der Berufsorientierung, um die Fachkräftesicherung zukünftig zu unterstützen.

„Das Interesse für technische Berufe entwickelt sich früher als viele Berufsorientierungsmaßnahmen ansetzen“, so Rudolf Broer, Geschäftsführer von RTB, einem innovativen Verkehrstechnik-Hersteller und Zulieferer für die Lichtsignalbauindustrie. „Mädchen in der Pubertät sind für technische Arbeiten kaum zu motivieren, während sie vorher mit wacher Freude und Neugier dabei sind.“ Gemeinsam mit dem Technologienetzwerk Innozent OWL, bei dem Broer Vorstandstandsmitglied ist, entstand die Idee für ein neuartiges Berufsorientierungsmodell für die frühe Interessensweckung im MINT-Bereich.

InnoZent OWL setzt sich bereits seit Jahren mit dem Programm SchuBS (Schule und Betrieb am (Freitag und) Samstag) für eine Förderung der Ausbildungsreife ein. Dr. Lydia Riepe, InnoZent OWL, Projektleiterin SchuBS bei InnoZent OWL ist überzeugt: „Möglichst viele frühe und beiläufige Kontakte mit Arbeits- und Berufswelten unterstützen die berufliche Orientierung maßgeblich.“

So war die Idee geboren, einen Kindergeburtstag für elfjährige Schülerinnen bei RTB zu veranstalten. Spielerisch und informativ sollte ein typischer Arbeitsalltag erlebt werden, ganz nach dem Motto: Erst die Arbeit (als Elektronikerin für Geräte und Systeme), dann das Vergnügen – und zwischendurch eine stärkende Mittagspause. An einem Osterferientag um 10 Uhr begann der „Arbeitstag“ der kleinen Elektronikerinnen mit einem Betriebsrundgang: acht Mädchen und ein Junge wollten wissen, was das Unternehmen RTB genau macht. Alltagsnah, spannend und anhand praktischer Anwendungsfelder erläuterte Rudolf Broer wie seine Mitarbeiter elektrische Ampelanlagen, Geldautomaten, verkehrszählende Hard- und Software entwickeln, produzieren und vertreiben.

Anschließend begann die eigentliche Arbeit und die Kinder konnten das eben Erlebte praktisch ausprobieren. Jedes Kind bestückte unter fachkundiger Anleitung einer Elektronikerin für Geräte und Systeme und vier Auszubildenden eine eigene Platine, die am Ende zu einer funktionierenden Mini-Ampelanlage wurde, die für eine Verkehrskreuzung auf rot, gelb oder grün schaltet. Durch die intensive Mitarbeiterbetreuung lernten die Kinder, die durchaus anspruchsvolle Anleitung zu lesen, mit Widerständen bestückte Drähte zu biegen und über 100 Verbindungen auf eine Platine zu löten sowie Leuchtdioden und Batterie zu befestigen.

Erste Reflexionen mit der eigenen Berufsorientierung und der Interessensweckung drückten sich in Fragen wie: „Gibt es Löten als Beruf?“ „Wozu muss man denn in Mathe gut sein?“ aus. Hungrig und gut gelaunt nach erfolgreicher Arbeit ging es in die RTB-Betriebskantine, die Q-Bar, zum Pizza-Essen. Nach der Mittagspause wurden die letzten Handgriffe an der Verkehrsampel vorgenommen und die funktionierende Ampelschaltung gegenseitig vorgeführt. Der Besuch im RTB-eigenen „Kino“ rundete den Kindergeburtstag der anderen Art ab.

Am Ende ergab die Befragung, dass nicht Pizza, Kuchen oder der Film das Beste am Tag war, sondern die Lötarbeit. Verblüffender Weise war von Mädchen zu hören: „Löten ist richtig cool!“ Die Idee eine Geburtstagsfeier mit 10 - 12 jährigen Mädchen in einem Unternehmen wie RTB zu machen, erweist sich als gute Möglichkeit positive Erfahrungen mit Technik zu sammeln und die eigenen Stärken im MINT-Umfeld zu entdecken.

Dr. Lydia Riepe ist sich sicher: „Nach wie vor ist die Einbindung von Kräften und die Berufswahl von technischen Berufen eher männlich geprägt. Durch die Idee der spielerischen und sehr frühen Interessensweckung bei den Mädchen im Rahmen des neuen Konzepts, sind wir davon überzeugt, später mehr junge Frauen für einen MINT-Beruf zu begeistern.“

Ansprechpartnerin
Dr. Lydia Riepe
InnoZent OWL e.V.
Zukunftsmeile 1
33102 Paderborn
Tel: +49 5251 54 65 317
Fax: +49 5251 54 65 311
E-Mail:

 2014-04-25 Pressemitteilung Kindergeburtstag-bei-RTB 2

 Selbständige Lötarbeiten haben die Mädchen am meisten begeistert (Bildquelle: InnoZent OWL e.V.)

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok