Arbeitskreis Fachkräftesicherung: Fachkräfteengpässe in der Pflege diskutiert

Die Fachkräfteengpässe in der Pflege waren Thema des zweiten Treffens des Arbeitskreises Fachkräftesicherung der Regionalagentur OWL. Impulse für die Diskussion gaben die Leiterin der Agentur für Arbeit Herford, Frauke Schwietert, die Leiterin der Gesundheitsschulen im Ev. Krankenhaus Bielefeld (Bethel), Petra Krause, sowie der Geschäftsführer des Zentrums für innovative Gesundheitswirtschaft (ZIG), Uwe Borchers. Moderiert wurde die Veranstaltung von Melanie Taube von der Regionalagentur OWL.

Frauke Schwietert führte in ihrem Vortrag aus, dass die Arbeitslosmeldung im Bereich der Pflege nur noch kurzfristig im Übergang des Jobwechsels und sehr häufig ohne Beteiligung der Vermittlung durch die Bundesagentur für Arbeit erfolgt. Fachkräfte suchen sich direkt ihren neuen Arbeitgeber und sind sehr gut darüber informiert, wer gut ist. Die Agentur für Arbeit Herford ergreift vielfältige Maßnahmen, um einem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wie z.B. die zusätzliche Ansprache von Migranten und Migrantinnen und die Anwerbung von ausländischen Pflegekräften. Menschen die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, werden mit fehlenden Abschlüssen weiterqualifiziert. Ein Muss sind zukünftig neue, niedrigschwellige Angebote in der Aus- und Weiterbildung, um weitere Zugänge für die Pflegebranche zu öffnen. Bis 2030 fehlen bundesweit ca. 40.000 Stellen, parallel dazu steigen die Anforderungen an die Pflegeausbildung.

Die generalisierte Ausbildung, die ab dem 01.01.2020 greift, bietet hier Chancen für die Sicherung von Nachwuchskräften in der Pflege. Petra Krause betonte, dass sich das traditionelle Berufsbild von „nur“ Frauen in der Pflege ändern müsse. Für die Zukunft müsse die Botschaft lauten: „In der Pflege gibt es sichere Arbeitsplätze mit Sinnstiftung und das bei einer guten Bezahlung“. Das Thema Gesundheit und Pflege werde sich in den kommenden Jahren auch als Standortfaktor für einzelne Regionen, auch in der Bindung von Fach- und Führungskräften, heraus kristallisieren.

„Die Gesundheits- und Sozialwirtschaft sind die TOP Arbeitgeber in der Region“, so Uwe Borchers. Um Fachkräfte zu gewinnen und zu binden, sollten die Zugänge zu Ausbildung und Studium niedrigschwellig gehalten werden. Assistenzsysteme in der Pflege und eine voranschreitende Digitalisierung der Prozesse erleichtern die alltägliche Arbeit. Der Markt der Pflege werde zunehmend auch in OWL von Anbietern aus dem Ausland geprägt, die sich die Branche in Deutschland aufteilen. Von den TOP 6 Anbietern in der Pflege seien „nur“ zwei aus Deutschland zu finden. 80% der Beschäftigten in der Pflege seien weiblich und zu einem hohen Anteil teilzeitbeschäftigt.

Weitere Ergebnisse der Diskussionen waren: Grundsätzlich sollte durch eine gemeinschaftliche Kommunikation die Haltung und die Wertschätzung für die Pflege, nicht nur gegenüber pflegender Angehöriger, sondern auch gegenüber der Pflegebranche und deren Mitarbeitenden positiv vermittelt werden. Wichtig sei, dass gute Beispiele aus der Praxis in die Fläche getragen werden.  Authentische Kampagnen  könnten dazu beitragen, das Berufsbild zu verbessern. Weiterhin bestehe die Möglichkeit, kleine und mittlere Unternehmen aus der Pflege mit Förderprogrammen, wie z.B. der Potentialberatung in der Modernisierung ihrer Prozesse zu unterstützen. Ergänzend könnten in der Region innovative Modellvorhaben, z.B. über die Regionale 2022, entwickelt werden, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen und das Image der Pflege zu verbessern.

Die Entwicklung, die Rekrutierung und Bindung von Fachkräften sei ein entscheidender und strategischer Wettbewerbsfaktor für die Region OstWestfalenLippe. Große Unternehmen hätten deshalb seit vielen Jahren die langfristige Fachkräftesicherung als Ziel in ihre Organisations- und Personalentwicklung integriert. Auch kleinere Unternehmen beschäftigten sich mit tragfähigen und umsetzbaren Instrumenten, um nicht zu Verlierern des Fachkräftewettbewerbs zu werden.

Für die wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Akteure der Region ist die Fachkräftesicherung als wichtiges Querschnittsthema in den eigenen Handlungsfeldern fest verankert und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Im Rahmen der Fachkräfteinitiative hat die Regionalagentur OWL den Arbeitskreis Fachkräftesicherung in Kooperation mit den Wirtschaftsförderungen der Kreise ins Leben gerufen, um sich der aktuellen Fachkräftesituation in OWL zu stellen.

Der nächste Termin des Arbeitskreises Fachkräftesicherung ist am 10. April 2019, 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr in der OstwestfalenLippe GmbH (auf Einladung).

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