Kreative wollen sich stärker mit Betrieben anderer Branchen vernetzen

Das Kulturbüro der OstWestfalenLippe GmbH hat gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern Ostwestfalen zu Bielefeld und Lippe zu Detmold (IHKs) eine Umfrage beim Zentrum für Kulturforschung Berlin in Auftrag gegeben, um mehr über Arbeitsbedingungen und Bedarfe der Kultur- und Kreativwirtschaft in Ostwestfalen-Lippe zu erfahren.

Eines der wesentlichen Ergebnisse der Befragung ist der Wunsch der Betroffenen, in Kontakt mit Wirtschaftsunternehmen aus anderen Branchen zu treten. Aus dem Netzwerk der IHKs und dem OWL Kulturbüro nahmen 661 Betriebe, Einzelkreative und Multiplikatoren an der Online-Umfrage zumindest in Teilbereichen teil, 350 an der ganzen Umfrage.

"Unser Ziel war es, Erkenntnisse über die Einschätzung des Wirtschaftsstandortes Ostwestfalen-Lippe zu gewinnen, über die Geschäftslage, Pläne und Herausforderungen, vor denen die Branchen in den nächsten Jahren stehen", begründete Thomas Niehoff, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen, die Befragung. Das sei erreicht worden.

"Durch die Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro konnten auch Kulturakteure und Kreativschaffende sowie Kleinstunternehmen erreicht werden, die nicht Mitglieder der IHK sind", erläuterte Herbert Weber, Geschäftsführer der OWL GmbH. "Neben dem Wunsch nach stärkerer Vernetzung traten als Handlungsfelder spezifische Weiterbildungswünsche zum Vorschein, die sich auf Marketing und Vertrieb sowie die Öffentlichkeitsarbeit richten." Gewünscht würden zudem branchenspezifische Angebote für eine Stärkung der Betriebe am "point of sale".

"Zielrichtung soll sein, den Betrieben direkte Hilfen anzubieten, um die Herausforderungen für ihr Geschäft besser zu bewältigen. Hier ist Handlungsbedarf, denn 41 Prozent der Unternehmen sind nur ausreichend und 15 Prozent unzufrieden mit der Geschäftslage", ergänzt Axel Martens, Hauptgeschäftsführer der IHK Lippe.

In der Umfrage ging es auch um die negativen Einflüsse auf die Geschäftslage. Am häufigsten wurde Unzufriedenheit mit Bürokratie genannt, gefolgt vom Nutzungsverhalten der Konsumenten, wobei die Kreativen das Internet als wesentliche Konkurrenz ausmachen. Auch Marktstrukturen würden als Grund für eine negative Geschäftslage thematisiert, beispielsweise Überangebot, Preisdruck und Konkurrenz. Fehlende Wachstumschancen durch Fachkräftemangel ließen sich als vierten Punkt benennen, gefolgt vom Mangel an Ausstellungs- beziehungsweise Auftrittsmöglichkeiten.

"Auffallend ist, dass über 90 Prozent der Betriebe die Versorgung mit Breitband für wichtig und sehr wichtig halten", erklärte Niehoff. In einer Korrelation zeige sich, dass von diesen Befragten 41 Prozent mit der Breitbandversorgung weniger zufrieden oder unzufrieden seien.

Die Teilnehmer der Umfrage kamen aus folgenden Branchen: Musikwirtschaft 14 Prozent, Buchmarkt 3 Prozent, Kunstmarkt 12 Prozent, Filmwirtschaft 6 Prozent, Rundfunkwirtschaft 1 Prozent, Darstellende Kunst 6 Prozent, Architekturmarkt 3 Prozent, Designwirtschaft 11 Prozent, Pressemarkt 5 Prozent, Werbemarkt 19 Prozent, Software/Games-Industrie 6 Prozent, Sonstige 15 Prozent. Fast ein Drittel der Befragten meldete einen Umsatz unter der Umsatzsteuergrenze von 17.500 Euro im Jahr.

Eine Sonderauswertung für die vielen Einzelunternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft in OWL ergab, dass davon sogar 55 Prozent zu den Kleinverdienern unterhalb der steuerlichen Grenze lägen und weitere 25 Prozent einen Umsatz zwischen 17.500 Euro und 50.000 Euro erwirtschafteten. Die befragten Betriebe bieten insgesamt 5.811 Beschäftigungsverhältnisse. Auf die Frage, warum die Firmen ihren Standort in OWL wählten, antworteten fast 70 Prozent mit "privaten Gründen". "Gute Standortbedingungen" führten 17 Prozent an, 15 Prozent "Sonstiges" und fünf Prozent hätten einen Betrieb am Standort übernommen.

KreativwirtschaftMit den Ergebnissen ihrer Umfrage haben die IHKs und das Kulturbüro die Kreativen der Region im Visier (v. l.): Marco Rieso (Referatsleiter Handel und Dienstleistung IHK Ostwestfalen), Christina Flöter (Projektleiterin IHK Lippe), Axel Martens (Hauptgeschäftsführer IHK Lippe), Antje Nöhren (Leiterin OWL Kulturbüro), Herbert Weber (Geschäftsführer OWL GmbH) und Thomas Niehoff (Hauptgeschäftsführer IHK Ostwestfalen).