Inklusion in der Arbeitswelt – Selbstbestimmung in Arbeit?! bei Firma Halfar System GmbH

Unter der Überschrift „Inklusion in der Arbeitswelt – Selbstbestimmung in Arbeit?!“ haben die Mitwirkenden verschiedene Aspekte des Themas beleuchtet und die Teilnehmenden aus KMU und Fachöffentlichkeit zu einer sehr lebendigen und vielseitigen Veranstaltung beigetragen.

Christiane Flüter-Hoffmann, Senior Researcher am Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V., stellte den „Personalkompass Inklusion: Ein Leitfaden zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung“ vor, der viele Ansätze für eine Personalentwicklung aufbereitet, wie die Integration von Menschen mit Behinderungen im Unternehmen gelingen kann. Von Job-Carving für die individuellen Beschäftigten bis hin zur Sensibilisierung aller Beschäftigten für besondere Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsplatz wird im „Personalkompass Inklusion“ eine breite Palette von Möglichkeiten angesprochen sowie Hinweise zusammengestellt, welche Institutionen beratend und ggf. auch finanziell bei der alltäglichen Inklusion unterstützen können. Ein weiteres Instrument sind Mentoring-Programme speziell für Menschen mit Behinderung, die zur Integration dieser Gruppe von Beschäftigten einen sehr guten Beitrag leisten kann. Letztlich gab Frau Flüter-Hoffmann Hinweise auf die Möglichkeiten und Angebote der Datenbank REHADAT, einschließlich der Rubrik „Gute Beispiele“, die für Unternehmen von Interesse sind. Eine ihrer Übersichten zeigt sehr deutlich, dass die Anzahl von Menschen mit Behinderung in den Altersgruppen über 40 und noch mehr über 50 und 60 deutlich ansteigen, was veranschaulicht, dass die ganz überwiegende Anzahl von (Schwer-)Behinderungen im Laufe des (Erwerbs-)Lebens durch Unfall oder Krankheit erworben werden. Nur 4% der Behinderungen sind angeboren!

Eine Beschäftigung mit dem Thema für Personalverantwortliche in KMU ist daher in der Regel früher oder später unausweichlich und es zahlt sich aus, wenn hier schon Kenntnisse und eine gewisse Aufgeschlossenheit vorhanden sind.

Die von Frau Flüter-Hoffmann vorgestellten Zahlen zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zeigen eine positive Entwicklung, d.h. dass die Beschäftigungsquote in den letzten Jahren in dieser Gruppe von ArbeitnehmerInnen stetig gestiegen ist. Gleichwohl liegen die Zahlen für Frauen mit Behinderung unter der Beschäftigungszahl der Männer mit Behinderung.

Genauso spiegelt sich – nach der Erfahrung von Frau Rose, Lebenshilfe Bielefeld e.V. und Geschäftsführerin von Objects InServ GmbH – die Verteilung von Frauen und Männern mit Behinderung auf „klassische“ Berufsfelder: In dem metallverarbeitenden Betrieb unter Trägerschaft der Lebenshilfe Bielefeld e.V. arbeiten ausschließlich Männer, in dem Gebäudereinigungsservice sowie im Cateringbetrieb sind Frauen überrepräsentiert. Dies weist darauf hin, dass sich die stereotypischen Rollenmuster und –Erwartungen an Männer und Frauen bei Menschen mit Behinderung genauso auswirken und die Berufswahl beeinflussen wie bei anderen auch. Zudem sind es unabhängig von der Art oder Schwere des Handicaps eher Frauen, die die Hauptlast tragen bei der Familienarbeit, insbesondere bei der Kindererziehung, sodass die Einsatzfähigkeit der weiblichen Beschäftigten schneller an Grenzen stößt, als bei Männern, wenn ArbeitgeberInnen kein gutes Konzept zur Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit vorhalten.

In der Talkrunde konnten zwei Unternehmen einen Einblick in ihre jeweilige gelebte Praxis der Inklusion geben: Kathrin Stühmeyer-Halfar, Geschäftsführerin und Gesellschafterin von Halfar System GmbH und Camilla Pfaffhausen, Geschäftsführerin von VeraVeggie Systemkonzepte GmbH. In einer doppelten Rolle nahm Ines Rose teil: als Assistenz der Geschäftsleitung der Lebenshilfe Bielefeld e.V. und als Geschäftsführerin von Objects InServ GmbH, einem Inklusionsunternehmen unter Trägerschaft der Lebenshilfe. Alle führten aus, dass das Prinzip Job-Carving bei der Inklusion von Menschen mit Behinderungen eine große Rolle spielt. Es werde immer ein sorgfältiger „Matching“-Prozess durchlaufen, wenn ein Unternehmen einen Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung bereitstellt bzw. eine passende Arbeitsstelle für eine einzelne Person mit Handicap gesucht wird. Wichtig hierbei ist eine große Offenheit auf beiden Seiten, eine Verständnis, dass es Zeit braucht, neue Aufgaben zu lernen und auch die sonstigen Beschäftigten bei der Integration einzubinden. Außerdem ist es bedeutsam, dass die Beteiligten ggf. offen ansprechen, ob ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis zustande kommen kann.

Sabine Schröder, Beraterin des Unternehmens-Netzwerks INKLUSION, stellte ebenfalls in der Talkrunde vor, inwiefern sie Unternehmen dabei beraten kann, einen Arbeitsplatz auf die Bedürfnisse von Menschen einzustellen; von Betriebsbegehung bis hin zur Unterstützung bei der Stellung von Anträgen an die zuständigen öffentlichen Stellen ist hier eine intensive Begleitung möglich, die aber auch Hand in Hand geht, mit den Leistungen, die vom Integrationsfachdienst (IFD) angeboten werden.

Jutta Henselmeyer, Mitarbeiterin des IFD in Bielefeld, stellte in ihrem folgenden Kurzbeitrag vor, bei welchen Fragen rund um die Integration von Menschen mit Behinderung der IFD tätig werden kann. Sie selbst berät – sowohl Unternehmen, als auch individuelle Menschen mit Behinderung – insbesondere zu Fragen rund um die Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit. Ihre KollegInnen im IFD sind ebenfalls auf einzelne Bereiche des Gesamtthemas spezialisiert, sodass sie die MitarbeiterInnen des IFD umfassend weiterhelfen können.

Abschließend stellte Katharina Walckhoff die Bewegung und das Konzept der „Gemeinwohl-Ökonomie“ vor. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, was diese Bewegung mit dem Thema Inklusion zu tun hat. Denn die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine Bewegung für eine ganz neue Form der Weltwirtschaft, welche in ökologischer und ethischer Hinsicht eine nachhaltige Wirtschaftsform anstrebt. Jede/r Einzelne und jedes Unternehmen kann sich in unterschiedlicher Weise im Sinne dieser Bewegung engagieren, indem es bspw. darauf achtet, dass die eigenen Produkte oder Dienstleistungen – auch entlang der gesamten Lieferkette – nach hohen ethischen und ökologischen Standards hergestellt werden, etwa ohne Kinderarbeit auch in Drittländern und mit Einhaltung von Sicherheitsvorschriften zum Schutze von ArbeiterInnen. Genauso gehört dazu die Einhaltung von hohen menschenrechtlichen Standards auch im eigenen Betrieb, etwa wie die Zulassung von Betriebsräten, soweit relevant, und eben auch die Inklusion von Menschen mit Behinderungen im Betrieb. Im Rahmen einer „Gemeinwohl-Bilanz“ kann erfasst werden, wie das jeweilige Unternehmen bereits aufgestellt ist und was ggf. noch verbessert werden kann.
Spätestens jetzt wird deutlich, was diese Bewegung mit dem Thema Inklusion zu tun hat. Weitere Informationen zu der Bewegung sind auf der Webseite www.gwoe-owl.org erhältlich.

Veranstalterinnen waren:

Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL
WEGE Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld mbH
Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld
Unternehmens-Netzwerk INKLUSION

Die Beiträge der Referentinnen können hier heruntergeladen werden:

IW Köln

IFD Bielefeld

2018 05 08 Inklusionsveranstaltung bei Halfar

 

 

 

 

 

 

v.l.n.r.: Camilla Pfaffhausen | VeraVeggie Systemkonzepte GmbH, Sabine Schröder | Unternehmens-Netzwerk INKLUSION,
Christina Rouvray | Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL, Ines Rose | Objects InServ Gmb, Kathrin Stühmeyer-Halfar | Halfar System GmbH

Kontakt Kompetenzzentrum Frau und Beruf

OWL Kompetenzzentrum Frau und BerufOstWestfalenLippe GmbH | Kompetenzzentrum Frau und Beruf OstWestfalenLippe

Turnerstraße 5 - 9 | 33602 Bielefeld | Tel.: 0521 96733-291 | Fax: 0521 96733-19 | E-Mail

 kfb competentia
 
AK MWHKBG 50
 kfb_efre
                             
                             
 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok